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Über 100 Jahre alte Fahne und andere wertvolle Dokumente wiederentdeckt

Gegenstände, die beim Entrümpeln von Dachböden oder sonstigen Nebengelassen aufgefundene werden sind für deren Finder zumeist nicht unbedingt aufhebenswert und werden daher als vermeintlich wertloser Plunder leider oftmals weggeworfen.
Auch wenn diese Dinge keinen hohen materiellen Wert haben, so wird doch vielfach deren heimat- oder ortsgeschichtlicher Wert verkannt. Angeregt durch die Aktivitäten der Heimatstube Liebschwitz werden solche Fundstücke nun verstärkt von Besuchern zu den Öffnungstagen mitgebracht und größtenteils auch zur Ausgestaltung der Heimatstube an den Ortschronist übergeben. Die historische Sammlung wird daher von mal zu mal umfangreicher und damit für zukünftige Besucher auch immer interessanter. Etwas Besonderes sind dabei natürlich die Gegenstände mit einem örtlichen Bezug.
Der Ortschronist möchte sich hiermit bei allen Spendern recht herzlich bedanken! Über solch einen Dachbodenfund, den Mitte dieses Jahres Nachkommen alteingesessener Liebschwitzer dem Ortschronist übergaben, war die Freunde ganz besonders groß. So wurde die schon lange "vermisst" geglaubte Fahne des Gesangvereins "Harmonie" Liebschwitz wieder aufgefunden.
Diese Fahne hatten sich die Mitglieder des damals sehr bekannten Männergesangvereins zu ihrem 25- jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1897 anfertigen lassen. Es ist zu vermuten, dass das mit aufwändigen Stickereien und Verzierungen versehene Prachtstück für damalige Verhältnisse auch nicht ganz billig war. Über die Herstellung der Fahne und deren Finanzierung ist lnichts bekannt bzw. überliefert.
Ein großformatiges Gruppenfoto, welches vor der Vereinsgaststätte im Jahr 1897 aufgenommen wurde, zeigt recht zahlreich die sangesfreudigen Männer des Vereins. Im Bildmittelpunkt präsentieren sie dabei stolz ihre neue Vereinsfahne. Sie wurde seitdem zu jedem großen Umzug und Dorffest, von denen es früher nicht gerade wenige gab, durch den Ort getragen. So ist auf einer Vielzahl historischer Bilddokumente diese Fahne im Festzug immer mit zu sehen. Zeugen berichteten, dass diese Fahne dann lange Zeit im großen Gastraum der Apfelweinschänke hing.
Auf der Vorderseite der 113 x 8 6 cm großen Vereinsfahne ist das bekannte Wappen des Gesangvereins "Harmonie" Liebschwitz, eine goldene Harfe reich verziert, abgebildet. Auch die Jahreszahlen der Vereinsgründung 1872 und des Jubiläumsjahres 1897 sind zum Teil noch zu erkennen. Die Rückseite zeigt zwei ineinander geschlungene Hände, die den symbolischen Handschlag darstellen, mit dem man damals rechtsverbindliche Geschäfte abschloss. Umgeben ist dieses Symbol der Einigkeit vom Schriftzug "Des Lebens Sonnenschein ist Singen und fröhlich sein".
Beim Auffinden der historisch wertvollen Fahne waren daran mehrere Ehrenbänder anderer Vereine angebracht, so auch Glückwunschbänder von den Frauen des Gesangsvereins zum 50. Jubiläum am 2. Juli 1922 und ein separates Grußband zum gleichen Anlass von den Jungfrauen. Auch andere Geraer Vereine haben ihre Glückwünsche und Grüße in Form von bedruckten Schmuckbändern hinterlassen.
Leider ist die Fahne aufgrund der falschen Lagerung, jedoch auch wegen des früheren Gebrauchs bei jeder Witterung sehr beschädigt. Außerdem, so die Aussagen von Fachleuten, sind die Schäden bereits auf Mängel bei der Herstellung zurückzuführen.
Der recht dünne Trägerstoff ist für die prunkvolle und damit recht schwere Bestickung ungeeignet und die schweren hölzernen, mit Stoff umgebenen Bommeln trugen ebenfalls zum heftigen Verschleiß bei.
Eine heutige Aufarbeitung der Fahne mit einer dringend notwendigen Reparatur ist finanziell unerschwinglich bzw. wäre nur mit erheblichen Zuschüssen realisierbar.
So fristet die beschädigte, aber dennoch sehr schöne Vereinsfahne des Gesangvereins "Harmonie" Liebschwitz ihres Daseins und kann leider nicht in der Heimatstube ausgestellt werden.
Vom Liebschwitzer Gesangverein sind jedoch noch weitere sehr interessante und ortsgeschichtlich überaus wertvolle Dokumente und Gegenstände erhalten geblieben, wie der Notenschrank mit goldfarbenem Vereinswappen, großformatige Bilder, Urkunden, Abzeichen, Fotoalben, ein Wanderbuch und eine Vielzahl historischer Fotos. Dies und vieles andere mehr kann in der Heimatstube Liebschwitz, die sich im Nebengebäude des ehemaligen Pfarramtes Liebschwitz, Salzstraße 167, befindet, besichtigt werden.

( Stefan Bauch, 17.12.2004 )

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