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Ein weiterer Höhler gibt Geheimnis preis

Geheimnisvoll ist die unterirdische Welt Geras. Lange verwinkelte Gänge, versteckte Nischen, niedrige Kellerabsätze, hohe Gewölbe. Fast zehn Meter tief muss man hinabsteigen, um in dieses Labyrinth zu gelangen, das unsere Vorfahren angelegt haben: die Höhler. Einzigartig, und in Deutschland nicht wieder in diesem Umfang anzutreffen, ist das Geraer Höhlersystem. Das unterirdische Gera entstand im Mittelalter. Bürgerfamilien, die das Braurecht erworben hatten, legten sich diese Höhler unter ihren eigentlichen Kellern an, um die Bierfässer darin zu lagern und zu transportieren.
Im Laufe der Jahrhunderte gerieten einige der Höhler in Vergessenheit, verfielen oder waren nicht mehr zugänglich. Im zweiten Weltkrieg dienten einige als Luftschutzraum, und in der DDR wollte man die stillen und verschwiegnen Räume nicht groß an die Öffentlichkeit bringen, außer den Rathaushöhler, in den das Kabarett "Fettnäppchen" einzog. Heute kümmert sich der Höhlerverein gemeinsam mit Hausbesitzern und den Museen der Stadt um das historische Erbe. Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen lassen es zu einem touristischen Anziehpunkt werden.
Aber noch immer gibt es Höhler, die ihr Geheimnis nicht preisgegeben haben. Einen solchen entdeckte Peter Geißler, Inhaber des Print Shops am Markt 3. Als er sich in den Laden einmietete - Besitzer des Hauses ist Baron von Savigny -, erhielt er auch die Kellernutzung. Aber wie erstaunt war er, als er feststellte, dass beim Beräumen des Kellers, der mit Bauschutt voll gestopft war, Eisentür und Treppen entdeckte, die in noch in viel tiefere Räume führte. Zwar muss man beim Hinabsteigen den Kopf einziehen, doch dann gelangt man nach Gängen in ein ziemlich hohes Tonnengewölbe. Peter Geißler hatte die Idee, den Keller und diesen Höhler 100 auch der Öffentlichkeit zugängig zu machen. In seinem Bekanntenkreis fanden sich Gleichgesinnte, die das Anliegen unterstützten wollten. Er und Klaus Bergholz, Torsten und Thomas Richter, Alfred Meineber und Klaus Eisenhut beräumten Keller und Höhler und entwickelten ein Konzept zur Nutzung der Räume. "Wir sind davon ausgegangen, dass eine der Geraer Traditionen das Bierbrauen ist, und die Höhler speziell zur Lagerung des Gerstensaftes angelegt wurden", erzählte Torsten Richter. Viele Höhler seien jetzt zwar der Öffentlichkeit wieder zugängig gemacht, doch keiner würde sich ausschließlich der Darstellung der Tradition des Bierbrauens in Wort, Bild und Exponaten widmen. Mit dem Ausbau des Höhler 100 soll hier nachgeholfen werden.
Peter Geißler ist sich sicher, dass durch die zentrale Lage des Marktplatzes eine ideale Voraussetzung zum Aufbau einer Dauerausstellung, die einen Überblick über die Thüringer und Geraer Braukunst gibt, vorhanden wäre und das Interesse der Geraer und ihrer Gäste wecken würde. Dabei soll auch die Köstritzer Schwarzbierbrauerei mit ins Boot geholt werden. Einige Sachzeugen wie Fässer, Kannen und Krüge sind bereits vorhanden, weiteres wird noch gern entgegengenommen. Es soll eine Börse rund um das Bier geben. Und in dem größeren Tonnengewölbe kann sich die Interessengemeinschaft Veranstaltungen vorstellen. "Gern würden wir uns auch an der Höhlerbiennale beteiligen", unterstreicht Torsten Richter das Vorhaben.
Werner Kögel vom Höhlerverein freut sich jedenfalls über die Initiative. "Wir sind dankbar, dass sich jemand gefunden hat, der dafür sorgt, dass ein weiterer Höhler begehbar und immer trocken ist", meinte er. Der Höhlerverein werde das Vorhaben unterstützen, und vielleicht gewinne er auch dadurch ein neues Mitglied, überlegt er. Es ist also durchaus interessant, sich Geras geheimnisumwitterte Tiefe zu erschließen.

( Helga Schubert, 05.11.2004 )

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