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„Uns steht das Wasser bis zum Hals”

Mehrere hundert Friseure, Kosmetiker, Mitarbeiter und Freunde versammelten sich am Mittwoch, 3. Februar, 9.30 Uhr, auf dem Marktplatz, um mit einer Mahnwache auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. „Es ist unsere erste Mahnwache”, erkärt Alexandra Beck, Innungsobermeisterin der Friseure und Kosmetiker Gera-Altenburg.

Aufgerufen dazu hatte der Landesinnungsverband der Friseure und Kosmetiker Thüringen/Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der hiesigen Friseurinnung. „Rund 80.000 Salons des deutschen Friseurhandwerks sind seit dem 16. Dezember 2020 im zweiten Lockdown geschlossen. Viele Familienbetriebe und kleine Unternehmen können die damit verbundenen Umsatzverluste nicht mehr überbrücken, sie stehen vor dem existenziellen Aus. Der Landesinnungsverband der Friseure und Kosmetiker Thüringen/Sachsen-Anhalt kämpft daher für einen Re-Start ab dem 15. Februar. Deshalb stehen wir heute hier zusammen und machen Druck auf die Regierenden mit der Aktion „Lockdown-Mahnwache“, waren es die Worte von Stefan Haase, Geschäftsführer der Kreishanderwerkerschaft.

Am 3. Februar standen nicht nur in Gera über 300 Menschen auf dem Marktplatz, symbolisch in Trauerflor, um sich schweigend Gehör zu verschaffen. Auch in anderen thüringischen Städten, darunter Jena, Erfurt, Saalfeld und Eisleben, hielten Friseure und Kosmetiker sowie deren Mitarbeiter eine Mahnwache und stellten folgende Forderungen an die Politik: Die Überbrückungshilfen müssen passgenau gestaltet, schnell sowie unbürokratisch gewährt, aber auch umgehend ausgezahlt werden.

Eine nachhaltige Förderung unserer Ausbildungsleistung ist jetzt notwendig.

Auch die Saloninhaber und Soloselbstständigen müssen berücksichtigt werden, denn diese gehen in den aktuellen Regelungen leer aus.

Schwarzarbeit muss gestoppt werden! Sichere Friseurdienstleistungen können nur Profis unter Wahrung der Hygiene- und Arbeitsschutzstandards in den Salons erbringen.

Candy Schiwietz ist seit 1993 im Friseurhandwerk tätig. Als selbstständige Friseurin betreibt sie das Humboldt 20. „Gemeinsam mit einer Partnerin, die ebenfalls selbstständig ist, führen wir das Geschäft”, erklärt sie, während sie ein Schild mit großen Lettern „Wir fordern: Politiker Gehaltsverzicht statt labern und gibt uns unsere Würde zurück!” gen Himmel streckt.

Sechs Wochen im Frühjahr 2020 und seit 16. Dezember 2020 erneut: Zieren geschlossene Ladentüren die Innenstädte. „Uns steht das Wasser bis zum Hals. Wir können nicht, wie andere Gewerke, von zahlreichen Ansparungen zehren. Meine finanziellen Mittel sind aufgebraucht. Aktuell borge ich mir Geld”, bringt sie ihre Situation auf den Punkt. Rechnungen von GEZ, GEMA und anderen Verbindlichkeiten flattern Tag für Tag in den Briefkasten – hier ist der Lockdown nicht zu spüren.

„Den Friseuren und Kosmetikern steht das Wasser bis zum Hals. Die Regierung hat für unsere Situation Verständnis, aber uns geht das Geld und damit auch das Licht aus. Verständnis ist gut, aber Verständnis kann man nicht essen, mit Verständnis kann man keine Mieten, Strom- und Heizkosten begleichen. Unsere Mitarbeiter brauchen zum Lebensunterhalt mehr als nur das Kurzarbeitergeld. Unsere Lage ist ernst, sehr ernst”, richtete Alexandra Beck ihre Worte an die Politik.

Sie ist seit 1992 selbstständig in dritter Generation im Saalburger Familienbetrieb tätig. Gelernt 1986 begann sie 1988 ihr Handwerk auszuüben. Seit 2016 sitzt sie der Innung vor. „Es ist eine einfache Rechenaufgabe. Wenn wir keine Einnahmen generieren, sondern nur Ausgaben verbuchen, steht unsere Existenz irgendwann auf der Kippe. Wir sind bereit und haben nach dem ersten Lockdown bewiesen, dass wir hervorragende Hygienekonzepte vorlegen konnten. Es ist nicht bekannt, dass Infektionsketten vom Friseurstuhl ausgingen. Wir haben viel Geld in die Desinfektion gesteckt. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedereröffnen”, so Alexandra Beck, die die Mahnwache als „erfolgreich” resümiert. „Der Dank gilt Stefan Haase und der Kreishandwerkerschaft Gera. Binnen einer Woche, nachdem die Idee geboren wurde, hat sein Team sämtliche Genehmigungen eingeholt, sodass wir diese Aktion durchführen konnten.”

Ihr ursprünglicher Plan war es, vorerst die Reaktion der Regierung abzuwarten, doch schon wenige Tage später flatterte die Ankündigung der zweiten Mahnwache in unser Redaktionspostfach. Am Mittwoch, 10. Februar, wurde zur Aktion „der toten Scheren” aufgerufen.

Wenngleich man davon ausgehen könnte, dass die aktuelle Situation nicht den Optimismus steigere, in das Friseur- oder Kosmetikhandwerk einzusteigen, ist glücklicherweise kein Abwärtstrend in den Bewerbungen zu spüren. „Zur Ausbildungssituation können wir momentan noch keine Zurückhaltung erkennen. Es gibt weiterhin einen großen Fachkräftebedarf, der sich in der hohen Anzahl der ausgeschriebenen Lehrstellen in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer zeigt. Die Lehrverträge werden regelmäßig erst im zweiten und zu Beginn des dritten Quartals abgeschlossen, sodass erst im September ein aussagefähiges Bild vorliegt. Die Ausbildungszahlen im Friseurhandwerk sind 2019 (31) und 2020 (30) auf gleichbleibenden Niveau trotz Pandemie geblieben”, beruhigt Stefan Haase.

( Fanny Zölsmann, 12.02.2021 )

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