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Worauf er besonders Wert legt

Glückwunsch zur Wahl als Präsident der Handwerkskammer! Könnten Sie sich bitte zunächst unseren Lesern kurz vorstellen?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich freue mich, über das Votum und das damit verbundene Vertrauen der Vollversammlung der Handwerkskammer. Ich bin 64 Jahre alt, stamme aus Bürgel, bin verheiratet und Vater eines Sohnes. Ich bin Meister im Bau- und Möbeltischlerhandwerk und führe gemeinsam mit meinem Sohn eine Tischlerei. Ich bin Handwerker mit Leib und Seele. Deshalb bin ich bereits seit 1990 ehrenamtlich für das Handwerk aktiv. So war ich von 1990 bis 1995 Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer, von 2001 bis 2007 Vorstandsmitglied und begleitete seit 2007 das Amt des Vizepräsidenten für die Arbeitgeberseite. Zudem engagierte ich mich von 2006 bis 2009 als Obermeister der Innung der Tischler und Holzwarenhersteller Eisenberg.

Vielleicht lässt sich kurz skizzieren, worauf Sie als Präsident besonderen Wert legen?

Wichtig ist mir vor allem, dass wir als Handwerker an einem Strang ziehen. Wir müssen uns auch künftig gemeinsam für die Interessen des Handwerks insbesondere gegenüber der Politik stark machen. Deshalb brauche ich die Anregungen, Hinweise und die Unterstützung aus der gesamten Handwerkerschaft. Die Handwerkskammer ist der kompetente Dienstleister für die Unternehmen. Daran will ich mich mit allen ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und den Beschäftigten in der Kammer messen lassen. Für mich steht das Zuhören, das Aufgreifen von Problemen der Handwerker und deren Lösung ganz oben auf der Liste.

Ihr Vorgänger Klaus Nützel war dienstältester Kammerpräsident Deutschlands. Was schätzen Sie in den 30 Jahren seines Wirkens besonders an ihm?

Klaus Nützel hat das Ostthüringer Handwerker wie kein anderer geprägt. Bereits unmittelbar nach der Wende ging er als Handwerker voran, um sich für den Aufbau demokratischer Strukturen im Handwerk einzusetzen. Zu den ersten freien Wahlen der Handwerkskammer für Ostthüringen 1990 wurde er zum Präsidenten gewählt. In vielen Bereichen war die Kammer auch Dank seines Einsatzes Vorreiter für andere Kammern, beispielsweise bei der Errichtung einer Partnerschaft mit der Kammer für Oberfranken, die Vorbild für weitere Kooperationen zwischen ost- und westdeutschen Handwerkskammern war. Zudem sind unter seiner Regie der Aufbau der Bildungsstätten in Rudolstadt, Zeulenroda und Gera, die Einrichtung eines Umweltzentrums und vieles mehr bis heute Garant für ein Handwerk mit großer Vielfalt und Modernität.

Die Ostthüringer Kammer war stets für die Region und für Gera Vorreiter für die Gewinnung, Ausbildung und Weiterbildung des Nachwuchses im Handwerk. Wie ist der aktuelle Stand?

Leider hat auch die Corona-Pandemie um die Aus- und Weiterbildung im Handwerk keinen Bogen gemacht. Das Team der Berufsausbildung hat dennoch versucht, Wege zu finden, um sowohl mit den Jugendlichen als auch mit deren Eltern in Kontakt zu kommen. Trotz der zahlreichen Einschränkungen vermochten wir bisher 762 neue Ausbildungsverträge in diesem Jahr abschließen – genauso viele wie im Vorjahr. Das gibt Hoffnung, wenn auch mindestens jährlich 1.000 neue Auszubildende im Ostthüringer Handwerk benötigt werden, um den künftigen Bedarf an Fachkräften zu decken.

Die Bildungsstätte in Gera-Aga hat einen guten Ruf. Sehen Sie neue oder andere Aufgaben dieser Einrichtung?

Neben unseren Bildungsstätten in Rudolstadt und Zeulenroda ist gerade die Bildungsstätte in Gera-Aga unser Aushängeschild. Wir sind dabei, neue Angebote zu entwickeln, um den sich stetig neuen Anforderungen Rechnung zu tragen. Froh sind wir zum Beispiel, dass mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk erstmals im September wieder ein Meisterkurs gestartet werden konnte. Wir werden uns zudem weiter auf unsere Kernkompetenz, wie beispielsweise den Kfz- und Baubereich konzentrieren. Neue Antriebstechnologien bei den Fahrzeugen, der Einsatz unter anderem von Drohnen im Baubereich, aber auch die rasante Digitalisierung werden uns hier in den kommenden Monaten vor neue Herausforderungen stellen.

In welcher Weise hat sich die Corona-Pandemie auf das Ostthüringer Handwerk ausgewirkt?

Wie in allen Wirtschaftsbereichen hat auch das Handwerk unter massiven Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu leiden. Das hat auch unsere jüngste Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben gezeigt. Lediglich 87 Prozent der Handwerksunternehmen schätzen ihre derzeitige Geschäftslage noch als gut oder befriedigend ein - ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte und der schlechteste Wert seit der Finanzkrise im Jahr 2009. Und die Aussichten für die kommenden Monate sehen auch nicht besser aus. Gerade hier ist es wichtig, dass wir als Kammer für unsere Betriebe Ansprechpartner sind und uns für ihre Interessen stark machen. Zudem halten wir mit einer Sonderseite unter www.hwk-gera.de/corona unsere Betriebe auf dem Laufenden zu neuesten Entwicklungen, Verordnungen, Antragsformularen und vieles mehr – und das tagesaktuell.

Der Präsident des Thüringer Handwerkstages (THT) Stefan Lobenstein beklagt die seitens der Politik offensichtlich ungenügende wirtschaftliche Hilfe für das Handwerk. Schließen Sie sich dieser Auffassung an?

Ich kann dem THT-Präsidenten nur zustimmen. Sicher haben wir mit der Corona-Pandemie eine außergewöhnliche Situation – auch für die Politik. Nur dank milliardenschwerer Finanzspritzen seitens des Bundes und der Länder, wie beispielsweise der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, Soforthilfen, Überbrückungshilfen und einigem mehr war es möglich, Insolvenzen oder Mitarbeiterverluste vorerst zu vermeiden. Doch viele Branchen fallen immer noch durchs Raster. Hier muss schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Wenn die finanziellen Mittel nicht mehr ausgereicht werden, droht uns auch im Ostthüringer Handwerk unter Umständen ein Kahlschlag. Fehlende Fachkräfte sorgen später auch für fehlende Unternehmensnachfolger. Insolvente Unternehmen, gepaart mit Unternehmen, die keinen Nachfolger finden, bringen die handwerklichen Strukturen in Ostthüringen ins Wanken. Unsere Unternehmen brauchen aber – endlich einen genauen Fahrplan, wie es in den kommenden Wochen weitergeht.

Das Gespräch führte Harald Baumann.

( 17.12.2020 )

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