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Inklusion ist noch nicht selbstverständlich

Vor mehr als 10 Jahren trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Als Ziel hat diese die Inklusion – Menschen mit und ohne Behinderung sollen ganz selbstverständlich zusammen leben, lernen, wohnen und arbeiten. Wir, als Gesellschaft, sollen zudem dafür Sorge tragen, dass Menschen wegen ihrer Behinderung nicht benachteiligt werden. Anfangs herrschte große Euphorie. Förderschulen wurden schnell aufgelöst, damit alle zusammen lernen können. Von der Aufbruchstimmung ist nicht viel geblieben. Man verpasste es, Ziele festzulegen und weitere Gesetze auf den Weg zu bringen. Fazit: Noch immer haben Menschen mit Behinderung mit großen Problemen zu kämpfen. „Wir werden durch Ignoranz und Oberflächlichkeit eingeschränkt“, bringt es Torsten Theuerkauf, der beim EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) Thüringen als Berater tätig ist, auf den Punkt. Alltagsbeispiele gibt es deutschlandweit tausende – Gera ist daovn nicht ausgenommen. So ist das städtisch,e rollstuhlgerechte WC in der Innenstadt geschlossen. Auch beim Umzug der Stadt Information habe niemand auf die notwendige Barrierefreiheit geachtet. Für manche Menschen ebenfalls noch an einigen Orten unüberwindbar: die Haltestellen und Zustiegsmöglichkeiten im ÖPNV.

Natürlich berufen sich viele auf die vorhandene Hilfestellung, aber leider denken wir „Normalen“ nicht daran, dass jeder Mensch auf Augenhöhe und selbstbestimmt entscheiden und leben möchte. Kommunen sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Bisher sind viele Gesetze und Ziele nicht auf den Weg gebracht worden. Zudem wird es vergessen, die betroffenen Menschen bei nötigen Planungen mit einzubeziehen. „Diese Beispiele gibt es überall und Situationen wie die jetzige Corona Krise, in der Menschen mit Behinderung automatisch zur Risikogruppe deklariert und dadurch in Heimen, die geschlossen wurden, eingesperrt leben, zeigt, dass die Behindertenrechtskonvention bisher nur im Ansatz umgesetzt wurde“, so Roger Schmidtchen, Vorsitzender vom Verband für Inklusion und Teilhabe in Thüringen.

Der 2017 gegründete Verein versteht sich als Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung und hat das Ziel der Förderung des selbstbestimmten Lebens. „Egal um welche Behinderung es geht, in vielen Köpfen ist noch immer der Gedanke verankert, dass die Menschen zum Beispiel nicht für den ersten Arbeitsmarkt in Frage kommen und in Werkstätten und Heimen sehr gut untergebracht sind. Darüber sind wir nicht begeistert und zudem der Meinung, dass dies ganz oft nicht der richtige Weg ist. Deshalb setzen wir uns für Teilhabe und Unabhängigkeit eines jeden ein“, so Roger Schmidtchen weiter.

Mit Gera, Erfurt, Altenburg und Nordhausen hat man in den vergangenen Jahren ein Netzwerk an Beratungsstellen aufgebaut und richtet sein Angebot an alle Menschen mit Beeinträchtigungen, psychischen oder seelischen Erkrankungen und Suchterkrankungen. Wir beraten auch Angehörige, Freunde oder in diesem Bereich tätige Menschen. Die umfängliche Teilhabe ist Teil der Menschenrechte und im Sozialgesetzbuch festgeschrieben und wurde mit dem Bundesteilhabegesetz erweitert. In unserem System sind viele Betroffene mit Problemen unterwegs und ein Großteil weiß nicht, welche Rechte sie haben und wie sie diese einfordern und verwirklichen können. Wir haben eine Art Lotsenfunktion und zeigen die Wege und Möglichkeiten auf und unterstützen dabei unabhängig und selbstbestimmt Leben zu können“, erklärt Diplom-Pflegewirtin Stephanie Pommer, die mit ihrem Team in Gera tätig ist. Unter dem Motto „Inklusion von Anfang an, Los geht´s mit dir“, veranstaltete die Beratungsstelle zusammen mit Aktion Mensch Ende September den zweiten Geraer Inklusionstag. Mit Ständen und Mitmachangeboten machte man an diesem Tag auf sich aufmerksam, informierte und sensibilisierte Menschen für das Thema Inklusion. Zudem zeigt das Motto, dass Kinder schnell lernen, das Vielfalt normal ist und eine inklusive Gesellschaft für sie oftmals verständlicher ist, als für Erwachsene. Kinder können Vorbilder für jene sein, die sich nicht trauen, ihre Berührungsängste zu überwinden. Auf diese Offenheit zielt die Kampagne, mit der man die gemeinsame Bildung und Entwicklung von Kindheit an fördern möchte – für eine inklusive Zukunft.

Gefördert werden Verein und EUTB Ostthüringen durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Wer eine Beratung in Anspruch nehmen möchte erreicht das Team in Gera telefonisch unter ☎ 73327233 oder vor Ort während der Beratungszeiten (Montag von 14 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag von 9 bis 13 Uhr). Zudem können Termine außerhalb der Öffnungszeiten, am Wochenende, abends, sowie Besuche vor Ort, vereinbart werden.

( Lars Werner, 16.10.2020 )

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