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Frauen zwischen Politik, Bildung und Arbeitskampf

Vor dem Hintergrund der stark entwickelten Industrie in Gera wurde die ostthüringische Metropole in hohem Maße geschichtlicher Boden für die gesamte deutsche Arbeiterbewegung. Im Herbst 1867 fand in Gera der Verbandstag der deutschen Arbeitervereine statt. Die politischen Kämpfe vollzogen sich in Gera und Thüringen auf dem Gebiet der Gemeinde-, Landtags- und Reichstagswahlen. Die Erfolge der Arbeiterparteien bei allen Wahlen und im ganzen Land waren ausschlaggebend für die Kommunal- bzw. Gemeindepolitik. 1911 gewann die SPD zum ersten Mal die Mehrheit im Geraer Gemeinderat. Die sozialen und bildungspolitischen Maßnahmen, die sich teilweise erst nach dem Krieg auswirken konnten, führten zur Weiterentwicklung der Stadt. So sind z. B. die Errichtung eines neuen Krankenhauses im Stadtwald, der Ankauf von 42,7 Hektar Land für den Wohnungsbau im Jahr 1925, die Errichtung öffentlicher Gebäude - die unter anderem für Sportzwecke geeignet waren - zu nennen.

Außerdem wurde neben den Volks- und Mittelschulen die Volkshochschule Tinz als Internat eingerichtet. Am 20. Oktober 1920 wurde die Freie öffentliche Landesbücherei für die Bevölkerung der Stadt eröffnet. Ihre Entstehung verdankt die Bücherei der Initiative der Geraer Arbeiterschaft, die selbst ihre eigenen Bibliotheken abgegeben hatte. Vom Arbeiter- und Soldatenrat und der Landesregierung unterstützt, wurde sie durch die Volkshochschule Reuß am 20. Oktober 1920 der Öffentlichkeit übergeben. Das Vermögen der Stiftung „Volkshochschule Reuß“ und damit die Bücherei ging an Ostern 1923 beim Zusammenschluss der thüringischen Staaten in den Besitz des Staates Thüringen über, der sie als „Muster- und Modellbücherei“ für ganz Thüringen anerkannte.

In einer Ausstellung bilden die Entwicklung der Frauenbewegung und die Biografien der Stadträtinnen in Gera 1918 bis 1933 den Schwerpunkt. Frauen durften ab November 1918 wählen und gewählt werden. Gera weist mit 17 weiblichen Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik einen in dieser Zeit vergleichsweise hohen Anteil von Frauen in der Thüringer Politik auf. Margarete Kirchner (USPD) war dabei wahrscheinlich die erste Frau in Thüringen, die in einen Stadtvorstand gewählt wurde. Marie Stephanus (DDP) war lange Zeit 2. Schriftführerin der Stadt. Die Frauen wirkten vielfältig und waren „Netzwerkerinnen“. Dabei blieb es eine Herausforderung, sich gegen die männlichen Abgeordneten durchzusetzen. In der NS-Zeit fand die parlamentarische Beteiligung von Frauen ein Ende, d.h. in den Parlamenten der Nationalsozialisten hatte keine einzige Frau ein Mandat inne.

Eine Folge der rasanten Entwicklung der Textilindustrie in Gera in den 20er Jahren war der erste deutsche Textilarbeiterinnen-Kongress in Gera, der der Gründung der deutschen Arbeitervereine vorausging. Dieser fand vom 11. bis 12. Oktober 1926 im Etablissement Wintergarten statt. Er und das Engagement der Stadträtinnen sind die Schwerpunkte des Vortrages im Stadtmuseum. Den (Informations-)Rahmen der Ausstellung bilden klassische Texttafeln. So können die Besucher nicht nur vieles zu dem wichtigen Engagement der Stadträtinnen und Textilarbeiterinnen erfahren, sondern auch der Atmosphäre des Zeitgeschehens nachspüren.

Die Ausstellung „Frauen zwischen Politik, Bildung und Arbeitskampf” wird am Dienstag, 13. Oktober, 15.30 Uhr, im Rathaussaal eröffnet. Daran schließt sich 17 Uhr ein Vortrag „Frauen zwichen Stadtrat, Bildung und Arbeitskampf” der beiden Referentinnen Judy Slivi und Dr. Lilia Uslowa im Stadtmuseum an.

Am Mittwoch, 14. Oktober, 16 Uhr, wird zum Film samt Vortrag „Die Suffragetten” in den Frauenbund, Heinrichstraße 38, geladen.

Gefördert werden die Ausstellung sowie die Vorträge vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Landesprogramm „Denk Bunt“. Die Organisatoren danken dem Stadtarchiv Gera, allen Mitwirkenden und Archiven sowie den Fördermittelgebern und der Referentin Judy Slivi für die Unterstützung. 

( Gera (NG), 09.10.2020 )

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