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Barrieren in den Köpfen

Die Ökumenische Akademie Gera/Altenburg ist am Puls der Zeit. Seit zwei Jahren werden allseits interessierende Fragen aus Religion, Politik und Gesellschaft durch Pfarrer Dr. Frank Hiddemann in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei scheut er sich auch nicht, brennende Themen anzusprechen. Für ihn gehört die Kommunikation mit allen Teilen der Gesellschaft zur Demokratie, auch wenn der Gemeindepfarrer nicht nur positive Feedbacks dazu erhält. Ein Teil der umfangreichen Angebote ist die Akademie am Vormittag. Hierbei wird ein Bildungsformat für junge „Alte“ und alle anderen, die am Mittwochvormittag zwischen 10 und 12 Uhr Zeit haben, angeboten. Die Barrierefreiheit beschäftigt nicht nur die Gemüter betroffener Behinderter, sondern sollte ein Thema für alle Einwohner der Stadt sein. Hannelore Hauschild, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates Thüringen, verwies auf die geltenden Gesetzlichkeiten. „Seit 11 Jahren gibt es eine entsprechende UN Konvention, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und unsere Thüringer Verfassung, die die Rechte und Pflichten von Behinderten regeln. Entsprechende Maßnahmepläne des Bundes und des Landes Thüringens konkretisieren die Anforderungen. Nun liegt es an den Städten und Gemeinden, das so umzusetzen, damit jeder ohne fremde Hilfe am selbständigen Leben in der Gesellschaft teilhaben kann“, erläutert Hannelore Hauschild die Ziele. Entsprechend des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes für Gera bis 2030 (ISEK GERA 2030) soll die Stadt bis 2030 barrierefrei sein. Der Seniorenbeirat und die Behindertenbeauftragte waren bei der Fixierung der Anforderungen einbezogen. Nun werde die Zeit knapp, so Hannelore Hauschild, denn es seien nur noch zehn Jahr bis dahin. „Wie ist es zu erklären, dass die Stadt Gera in Sachen Barrierefreiheit so schlecht dasteht?“, so lautet eine Fragestellung zu diesem Bürgergespräch. Für die Behindertenbeauftragte der Stadt Gera, Christine Morgenstern, gibt bei der Barrierefreiheit großen Nachholbedarf. Mit der neuen Struktur in der Verwaltung sei zwar ihr Einfluss gestiegen, dennoch fühle sie sich oft als Bittstellerin, denn der Stadt obliegen keine Pflichtaufgaben für die Umsetzung, sondern es sei der Verwaltung freigestellt, derartige Maßnahmen zu realisieren. Gemeinsam mit der Initiative Barrierefreiheit für Gera und dem Seniorenbeirat werde regelmäßig auf anstehende Probleme verwiesen, doch die Akzeptanz lasse zu Wünschen übrig, so Christine Morgenstern. Zeitliche Abläufe seinen einfach zu lang und zeigen, welchen Stellenwert die Barrierefreiheit in unserer Stadt habe. „Für eine Behindertentoilette im Tierpark haben wir vier Jahre gekämpft und für eine kleine Rampe zu einem Parkplatz in Debschwitz gar sechs Jahre“, nennt Christine Morgenstern zwei Beispiele.

Alexander Höhne, selbst auf den Rollstuhl angewiesen, ist seit 2019 Vorsitzender und Sprecher der Initiative Barrierefreiheit für Gera und kennt die Probleme in der Stadt sehr genau. Es sei ihn ein Rätsel, wie der Stadtrat mit dem Thema „Neubeschaffung von Straßenbahnen“, einem wichtigen Punkt zur Barrierefreiheit, umgehe. „Nur jede zweite Bahn ist eine Niederflurbahn, so dass ich mit meinen Rollstuhl oft bis zu einer Stunde auf die passende Bahn warten muss“, gibt er zu Bedenken. „Barrierefreiheit fängt beim Fahrstuhl an und hört bei Gebärdendolmetscher auf. Sehbehinderte benötigen akustische Signale an den Ampeln, Leitsysteme durch Gebäude und Stadt, Hörbehinderte für die Kommunikation einen Gebärdendolmetscher“, so Christine Morgenstern. Selbst die Überprüfung von Bildungseinrichtungen und die Ausstattung in Schulen haben ergeben, dass die bautechnischen Gegebenheiten für seh- und hörbekinderte Kinder teils niederschmetternd seien.

Kontakt: seniorenbeirat@gera.de oder über die Ehrenamtszentrale, ☎ 8383024.

( Wolfgang Hesse, 17.07.2020 )

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