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Friederici machte den Anfang

Wer war Friederici und warum wurde in Gera eine Straße nach ihm benannt? Suchmaschinen finden rasch eine Antwort. Christian Ernst Friederici (1709 – 1790) wurde in Meerane geboren und lebte bis zu seinem Tode in Gera. Friederici war Orgelbauer und hat bei Gottfried Silbermann im sächsischen Freiberg gelernt. In Gera gründete er 1737 eine Klavier- und Orgelbauanstalt und spezialisierte sich auf den Klavierbau. Schnell wurden seine Instrumente international bekannt. Es ist wenig bekannt, dass in Gera so ein renommierter Klavier- und Orgelbauer lebte. Auf derartige Informationen stieß Pfarrer Franz Beutel während seiner Nachforschungen zur Musikinstrumentenproduktion in Gera. Heute sind sogenannte Pyramidenflügel (senkrecht stehende Klaviere) von Friederici die Anziehungspunkte in den Museen von Brüssel und Frankfurt, und erzählen so von der Arbeit des Geraer Kunsthandwerkers. Die museale Aufarbeitung dieses Industriezweiges in Gera stellte Franz Beutel im Rahmen des Kulturnetzes Gera vor. Dieser freiwillige Zusammenschluss von Kulturinteressierten, Kulturschaffenden und Stadtratsmitgliedern existiert seit drei Jahren. „Wir treffen uns alle zwei Monate und diskutieren kulturpolitische Themen der Stadt und der Region. Die Teilnehmer stellen ihre Ideen und Projekte vor“, erklärt Mike Huster, Initiator dieser Kultur-Garde. „Wir werben für eine gegenseitige Vernetzung bei der Realisierung von Vorschlägen, die nützlich und lohnend für die Kulturpolitik Geras sind.“ Solch ein Thema wäre sozusagen die Geschichte des Musikinstrumentenbaus in Gera von 1709 bis 2019. Da gab es die Mechanik von Heinrich Jahn, die Klaviere von Böhme und Sohn und die Harmonika und Akkordeonfabrik von Wagner und Sohn. Beutel verwies in seiner Analyse auf eine lange Tradition. Besonders die Zulieferindustrie für die gesamte Klavierproduktion in der DDR kam aus Gera und hat praktisch bis zur Wende existiert. Anfang des 20.Jahrhuderts trug das Herrschaftshaus Reuß wesentlich zur Industrialisierung in Gera bei. So gab es Initiativen für den Aufbau und die Förderung der musischen Künste. „1906 wurde in Langenberg die Reußische Claviaturenfabrik gegründet und bestand im gleichen Umfang bis zum Jahr 1989. Nach der Privatisierung durch die Treuhand wurden hier noch bis 1994 Klaviaturen und Resonanzöden für Klaviere produziert“, erläutert Franz Beutel. Die Arbeit von Geigenbauer Harnisch, ein Vorgänger von Erich Niedan oder die Harmonika- und Drehorgelfabrikation Wilhelm Spaethe sind weitere Anhaltspunkte für die umfangreiche Musikinstrumentenproduktion in Gera. Daraus ergebe sich laut Beutel die Konsequenz: „Wenn wir der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 einen wichtigen Akzent hinzusetzen möchten, dann sollten wir uns Gedanken über eine Dauerausstellung zur Geschichte des Musikinstrumentenbaus in Gera machen.“

Im Fundus des Stadtmuseums schlummerten interessante Stücke, auch von Friederici, hat Beutel herausgefunden. Er schlägt eine moderne Präsentation mit Zeitzeugenaussagen vor. Gerade in den Jahren der DDR haben viele Geraer in der Musikinstrumentenproduktion gearbeitet und könnten von ihrer Arbeit erzählen. Solch eine wissenschaftliche Aufarbeitung wäre wichtig für die musische Erziehung unserer Kinder bis hin zur positiven Lebensbewältigung, gibt Heinrich Hischer vom Stadtwaldbrückenverein zu bedenken. Franz Beutel berichtet über erste Kontakte mit Vertretern der Kultur in der Stadt. In einer Veranstaltung am 11. April im Stadtmuseum sollen gemeinsam mit Rita Stielau, Fachgebietsleiterin Museen und Kulturförderung, Matthias Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum und Christel Gäbler, Leiterin des Geraer Stadtarchivs, erste Schritte für eine Ausstellung konkretisiert werden. Zu diesem Termin in der Zeit von 17 bis 19 Uhr sind Interessierte und Mitstreiter für das Projekt gern willkommen.

( Wolfgang Hesse, 19.03.2019 )

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